Die Frau im Zug

Es war einmal eine Mutter mit ihrer Tochter. Die Mutter war circa Mitte oder Ende zwanzig und ein wenig korpulenter gestellt. Sie trug ein wenig zu enge Kleidung für ihren Körperumfang, was leider nicht sehr schön an zu sehen war wenn sie sich bückte. Vom Jargon fühlte man sich in das Buch „Chantal komm ma bei de Mutti“ alle Ehre. Ihre Tochter war in dem Alter von vier oder fünf Jahren. Das was ein Kind in diesem Alter können sollte, tat es irgendwie nicht. Dazu zählten eine halbwegs ordentliche Essweise und die Begabung der deutschen Sprache mächtig zu sein. Beides in Verbindung erwies sich dann als noch schwieriger. Jedoch muss man zugeben, dass sich das junge Mädchen gut mit Tierlauten, wie zum Beispiel schreien oder grunzen, verständigen konnte.

Ein paar Haltestellen nach dem „Familienglück“ stieg eine sehr junge, attraktive Frau zu. Sie besaß den Körperumfang von Heidi Klum, gepaart mit der Intelligenz von Albert Einstein und dem Aussehen wie, wie, na wie irgend so ein sexy Model oder Sängerin oder sowas. Ok ganz so wahrhaftig sah sie dann doch nicht aus. Sie war der relative Durchschnitt, aber guter relativer Durchschnitt. Das junge Mädchen war auf dem Weg ihrer Zukunft, in Form einer Abschlussprüfung, entgegen zu treten. Alles was sie wollte war Ruhe, damit sie sich mental darauf vorbereiten konnte diese mit einer eins zu bestehen oder eben mit einer vier oder schlechter nicht zu bestehen. Im letzteren Falle hieße das, sich Gedanken nach einem weniger Verantwortungsbewussten Beruf zu machen. Heißt es nicht MC Donalds hat gute Karrieremöglichkeiten? („Mutti ich mache jetzt nicht nur mehr die Pommes, nein die Nuggets sind jetzt ganz offiziell auch mein Revier!“)

Als das armes Ding den Zug betrat und sich gegenüber der Familie setzte, dachte sie doch in ihrem jugendlichen Leichtsinn so schlimm wird es schon nicht werden, mit Mutter und Kind. Du musst Vertrauen in die neue Generation der Erziehung haben. Es gibt bestimmt noch Eltern, die Regeln und Grenzen setzten. Ja, da gibt es bestimmt, aber nicht heute, nicht hier und nicht jetzt. Wenn man eines nicht möchte, dann ist es vor seiner Prüfung in solch eine Unruhe zu geraten. Aber schlimmer ist es, wenn einem die Technik aufgrund von nicht Versorgung mit Strom, bildlich, den erhobenen Mittelfinger zeigt.

Mit viel Selbstbewusstsein stellte sich das durchschnittliche junge Mädchen der Situation. Die Kopfhörer in die Handtasche gesteckt und das Telefon fest in der Hand gehalten, ging es auf, zum Fahrspaß mit der Bahn.

Begonnen hat alles mit der Nahrungsaufnahme des wilden Tieres, ähm Kind natürlich. Das Milchbrötchen wurde geschlachtet wie man es sonst bei einer Tierdokumentation bei Discovery Chanel sieht. Die Löwin nähert sich der Antilope, jagt sie über wenige Distanzen und beißt sie dann zu Tode. Ja, den armen Brötchen erging es ähnlich. Es wurde förmlich in der Luft zerrissen. Es war schon interessant an zu sehen. Wie ein Autounfall, man kann nicht wegsehen aber hinsehen kann man irgendwie auch nicht.

Es war später schön mit an zu sehen wie viel Geduld die Mutter doch mit brachte, als ihre Tochter anfing sie mit dem Schnuffeltuch zu nerven. Es ging hoch und runter, links und rechts. Es wurde fallen gelassen und von Mama wieder aufgehoben (Die Blickrichtung des Gesäßes genau zum durchschnittlichen armen, jungen Mädels gerichtet) mit der Drohgebärde, das Kind solle doch endlich aufhören damit. Aber nein, was tat es, weiter machen. Das Tuch flog immer näher zu mir und die Geräuschkulisse von Kind und Mutter wurde immer lauter. Als ob es ein Wettbewerb wäre. Wer kann am lautesten schreien? Es war schon schwierig sich im Geiste einen Gewinner aus zu denken.

Als das Tuch dann endlich in der Tasche der Mutter verschwand, fing das kleine Mädchen an sich mit dem Inhalt ihres Kinderwagens zu beschäftigen. Und es war nicht wenig was die Gute da raus holte. Von zerfetzten Kinderbüchern über Taschentücher und einer Brotdose mit Inhalt. Verzweiflung machte sich im Gesicht der Mutter breit. „Man eh jetzt reume das uff oder es knallt glei.“ Das durchschnittliche Mädchen fand es schon gar nicht mal so schlecht, wie versucht wurden ist, wieder Ordnung ins Chaos zu bringen. Und um ehrlich zu sein, war es doch schon ein kleines Spektakel was sich da dar bot.

Während sich der Zug zwischen Halten und Fahren abwechselte, stiegen auch immer wieder ein paar neue Gesichter dazu oder glückliche Menschen verließen ihn wieder. Auch ihnen war das Schauspiel zwischen Mutter und Tochter nicht vergönnt geblieben.

Nachdem die Mama alles brav wieder weggeräumt hatte, fing das Kind an sich mit seiner Stimme aus probieren zu wollen. Wie Mariah Carey fing die junge Dame an, von ganz leise und tief zu immer höher und lauter zu neigen. Dem Durchschnitts- Mädel ging nur durch den Kopf, warum der liebe Gott ihr gerade heute den Strom nahm.

Die Lautsprecheransage im Zug verkündete die nächste Haltestelle und es war genau diese bei der sich Mutter und Teufel, äh Tochter, zum Aussteigen bereit machten. Es war ein Schauspiel für kurze Zeit erleben zu dürfen wie konsequent doch Eltern sein können. Was lehrt uns solch eine Geschichte: Bitte, Bitte, Bitte immer daran denken das Strom auf allen High-Tech-Geräten ist. Damit ist man in der Lage sich Kopfhörer in die Ohren stecken zu können und sich sowas nicht mit an zu hören.

20.6.14 23:27

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